Tauferer Gemeinderat mehrheitlich gegen Unterschutzstellung des Rambaches – Muss auch der letzte naturnahe Talfluss in die Rohre?

Der Tauferer Gemeinderat hat am 15.6.2011 einen Beschlussantrag zur Unterschutzstellung des Rambaches mit 8 Nein-Stimmen und 5 Ja-Stimmen bei 13 anwesenden Gemeinratsmitgliedern abgelehnt. Der Beschlussantrag der Gemeinderäte Kapeller Wolfgang und Schönegger Gaiser Margareth hatte eine zeitweilige Unterschutzstellung des Rambaches mit einem Verbot von Wasserableitungen zur Stromerzeugung zum Inhalt.

Wir bedauern sehr, dass die Mehrheit der Tauferer Gemeinderäte die Schutzwürdigkeit dieses einzigartigen Talflusses nicht erkannt hat. Man ist dabei, eine große Chance für die Zukunft zu verspielen. Während der Rombach, wie er in der Schweiz genannt wird, im Val Müstair CH bereits seit einigen Jahren unter Schutz steht und im Rahmen des Biosfera-Konzeptes für einen nachhaltigen Tourismus genutzt wird, soll der Rambach gleich hinter der Grenze in die Rohre, um damit Strom zu erzeugen. Gemeindevertreter aus Taufers versprechen sich mit dem Bau eines E-Werks am Rambach ein Zubrot für die Gemeindekassa. Die Gemeinde Taufers i. M. beteiligt sich derzeit gemeinsam mit der Biosfera Val Müstair an einem Interreg-Projekt (Lebenswertes Münstertal) in dem es auch um Biodiversität geht und die Weiterführung des Themenweges „A la riva dal Rom“ entlang des Rambaches geplant ist. Trotzdem geht man in Sachen Stromgewinnung andere Wege und spricht sich gegen die Unterschutzstellung des Rambaches aus. Wieso überlegt die Tauferer Gemeindeverwaltung nicht, nach Alternativen für die Stromgewinnung am Rambach zu suchen? Es könnten z. B. Beteiligungen an anderen Kraftwerken eingegangen werden, bereits bestehende Werke potenziert und ausgebaut werden. Offensichtlich hat die Mehrheit der Tauferer Gemeindeverwaltung keinerlei Visionen für die Zukunft außer den Bau eines Kraftwerkes am Rambach.

Die Notwendigkeit der Nutzung alternativer Energiequellen steht für uns außer Frage. Es darf jedoch nicht so weit kommen, dass wir auch noch einen der allerletzten Talflüsse unserem oft verschwenderischen Energiekonsum und dem gedankenlosen Profit opfern müssen. Wir sollten wenigstens einen Bach unseren Nachkommen in seiner heutigen Naturbelassenheit übergeben können.  Der Rambach hat alle Voraussetzungen dafür und sollte daher von jeglicher Ableitung für die Stromgewinnung verschont bleiben. Stattdessen kann dieses Potential für nachhaltige Initiativen verwendet werden. Dies würde der touristischen Entwicklung und dem gesamten Münstertal gut tun. Wir fordern daher nochmals eindringlich auf, den Rambach auch von der Grenze bis zur Mündung in die Etsch von jeglicher Stromgewinnung zu verschonen. Es ist höchste Zeit dafür !

Der Rombach ist übrigens der einzige Talfluss in der gesamten Schweiz, der von der Quelle bis zur Grenze nicht für die Stromgewinnung gestaut wird. Wir empfehlen Ihnen, diese interessante Filmdokumentation über das Val Müstair anzuschauen. Dabei wird auch über den Rombach, die Biosfera und das Zusammenspiel zwischen Naturschutz und Naturnutzung berichtet: http://www.videoportal.sf.tv/video?id=6bb5b5f9-dcb4-470a-81af-ace7653d33c5

Tageszeitung „Dolomiten“ vom 17.06.2011: „Wieder Streit um den Rambach“

Neue Südtiroler Tageszeitung vom 18.06.2011: „Muss der Rambach in die Rohre?“

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2 Gedanken zu „Tauferer Gemeinderat mehrheitlich gegen Unterschutzstellung des Rambaches – Muss auch der letzte naturnahe Talfluss in die Rohre?

  1. Vielen Dank Christa für deine Stellungnahme. Wenn die Geldgier und das rücksichtslose Ausbeuten unserer Fließgewässer dermaßen weiter geht, werden wir in unserem Land und in den Alpen keinen Talfluss mehr haben, der nicht für die Stromgewinnung genutzt wird. Es sollte möglich sein, dass einige wenige Bäche nicht verrohrt werden. Unsere Nachkommen sollten auch die Möglichkeit haben, einen naturbelassenen Bach erleben zu können.

  2. Die notwendige Unterschutzstellung des Rambaches im Vinschgau wird gefordert.

    Kassiert wird und wollen einige wenige aus den Kraftwerken und dies zu Lasten der Natur, zu Lasten der Bevölkerung, die verkabelt ist und wird (x-Stromleitungen über den Köpfen hinweg – Strahlenbelastung); viele Fische werden durch Wasserkraftwerke getötet (Techniker, welche beim Kraftwerk zuständig sind, sagten mir, dass Fische in die Turbinen hineinkommen, auch modernste Filter können das nicht total verhindern).

    Der Rambach wurde auf Schweizer Seite unter Schutz gestellt und wird nicht für die Stromerzeugung genutzt. „An den Ufern des Roms. Der Rom ist einer der schönsten Schweizer Haupttalflüsse. Kein Kraftwerk hemmt seinen Lauf, seine prächtigen Auen blieben weitgehend unberührt“. So heißt es in einem Faltblatt von Pro Natura Graubünden.

    Die Bachlandschaft und ihre Umgebung und insgesamt die Natur sind zu erhalten. Die Unterschutzstellung des Rambaches mit einem Verbot von Wasserableitungen zur Stromerzeugung ist notwendig. Der Rambach ein nahezu unberührtes Fließgewässer, braucht von seiner Struktur her viel Wasser. Fehlt dies, geht der Lebensraum für diverse Lebewesen verloren (Kleintiere, Uferpflanzen, Fische). Die sofortige Unterschutzstellung des Rambachs ist gefordert, siehe auch die Bürgerinitiative PRO RAMBACH und Umweltschutzgruppe Vinschgau. Es wird an die Südtiroler Landesregierung appelliert, den Rambach unter Schutz zu stellen.
    Auf Wasserkraftwerke verzichten und die richtigere und modernere Art der Stromerzeugung, jene der unerschöpflichen Sonnenenergie, nutzen.
    Dr. Christa Pardeller http://www.christapardeller.wordpress.com

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