Ackergifte? Nein Danke! Buchvorstellung mit Dr. Ute Scheub

AckergifteNeinDanke-Buchvorstellung-MalsEinladung zur Buchvorstellung mit 

Dr. Ute Scheub
Ackergifte? Nein Danke!

Impulse für eine enkeltaugliche Landwirtschaft

Biohotel Panorama, Mals
1. April 2015, 20 Uhr

»Nur Bio macht die Erde satt«

Ein Interview mit der Berliner Publizistin Ute Scheub über die verherenden Gefahren, die von chemisch-synthetischen Pestiziden ausgehen, und die Chancen, die biologische Alternativen auf dem Weg in eine enkeltaugliche Landwirtschaft bieten.

Frage: Frau Scheub, was an der gegenwärtigen Landwirtschaft ist nicht enkeltauglich?

Antwort: Landwirtschaft im ursprünglichen Sinn ist extrem enkeltauglich und funktioniert seit über 10 000 Jahren. Die Agrarindustrie hingegen gibt es erst seit der Erfindung von schweren ölgetriebenen Maschinen, Kunstdünger, Ackergiften und Gentechnik. Das alles zieht unserem Planeten die Haut ab – die gerade mal fünf bis fünfzig Zentimeter messende hauchdünne Humusschicht, von der die Kaskade allen irdischen Lebens abhängt.

F: Welche Gefahren gehen von Ackergiften aus?

A: Viele und vielfältige. Pestizide und Herbizide zerstören das feine Netz der Natur, das uns trägt. Sie wandern vom Boden in Pflanzen, Nahrungskreisläufe und ins Grundwasser. Sie stören den Orientierungssinn von Bienen, können zu Krebsepidemien und chronischem Botulismus führen, die erst nach Jahrzehnten sichtbar werden.

F: Warum ist das nicht bekannter?

A: Weil sich diese Wechselwirkung so gut wie nie direkt nachweisen lässt. Das machen sich die Agrokonzerne skrupellos zunutze.

F: Ein Teufelskreis?

A: Ackergifte funktionieren ähnlich wie Rüstungsspiralen. Je mehr Waffen man gegen die Natur einsetzt, desto mehr wehrt sie sich. Alles, was wir bekämpfen, wächst im Endeffekt. Alles, was wir unterdrücken, vermehrt sich letztlich. Das ist eine fatale Wechselwirkung: Beikräuter und Insekten werden resistent, und Superunkräuter bilden sich heraus.

F: Wie begegnen Sie dem Argumten, die Agrarindustrie sei zur Ernährung der Weltbevölkerung notwendig?

Dieser Unsinn ist leider weit verbreitet. Das Gegenteil ist der Fall: Die größte Langzeitstudie, in der über dreißig Jahre hinweg die Auswirkungen von biologischer und konventioneller Landwirtschaft verglichen wurden, stammt vom amerikanischen »Rodale Institute«. Das Ergebnis der 1981 begonnenen Untersuchung ist eindeutig: Bioanbau übertrifft konventionellen. Ökolandbau verbraucht 45 Prozent weniger Energie, ist um 28 Prozent effizienter, erhöht langfristig die Bodenfruchtbarkeit und trägt bei geringerer Erosion stärker zur Erneuerung des Grundwassers bei.

F: Ist das auch wirtschaftlich rentabel?

Ja! Ökolandanbau ist sogar fast dreimal so profitabel wie der konventionelle. Grund: Verbraucher sind bereit, für eche Bio- Lebensmittel mehr zu bezahlen, gleichzeitig sind die Betriebskosten niedriger, weil der Kauf von Kunstdünger und Pestiziden entfällt. Am meisten bringt Bio-Weizen ein, am wenigsten transgene Pflanzen. Ökolandbau ist insgesamt profitabler, stärkt ländliche Gemeinden und schafft rund 30 Prozent mehr Arbeitsplätze.

F: Welche praktischen Alternativen Pestiziden und Agrarindustrie gibt es?

A: Es gibt viele lebensfördernde Alternativen: beispielsweise die symbiotische Landwirtschaft nach Karl Ludwig Schweisfurth, die Permakultur nach David Holmgren und Bill Mollison oder Humusaufbau auf ausgelaugten Böden durch Terra Preta. Auch im eigenen Garten gibt es einen bunten Strauß an Lösungen: Gegen Wühlmäuse helfen Holunderzweige, die man in deren Löcher steckt. Gegen Nacktschnecken helfen Laufenten, die – wohl als einzige Lebewesen weit und breit – diese Biester zum Fressen gern haben. Zu viele Käfer einer Sorte picken die Hühner weg oder auch die Spatzen und andere Wildvögel.

F: Was kann jede und jeder tun?

A: Erstens möglichst nur noch Biokost essen! Zweitens im eigenen Umfeld Aufklärungsarbeit leisten. Drittens an politischen Protestaktionen wie der »Wir haben es satt!«-Demo oder der Kampagne »Ackergifte? Nein danke!« teilnehmen.

F: Vielen Dank für das Gespräch!

(Das Gespräch führte Matthias Fersterer vom Verlag thinkOya.)

***

Ute Scheub, Jahrgang 1955, ist Journalistin, Politologin und Autorin. Sie ist Mitbegründerin der Tageszeitung taz, für die sie viele Jahre als Redakteurin tätig war. Seit 1997 wirkt Ute Scheub als freie Publizistin. Sie verfasste zahlreiche Sachbücher zu den Themen Frieden, Frauen und Ökologie. Zuletzt erschienen »Terra Preta. Die schwarze Revolution aus dem Regenwald«, »Glücksökonomie – Wer teilt, hat mehr vom Leben« und »Ackergifte? Nein danke! Für eine enkeltaugliche Landwirtschaft«. Ute Scheub lebt in Berlin. www.utescheub.de

Ute Scheub

Ackergifte? Nein danke!

Für eine enkeltaugliche Landwirtschaft

thinkOya, 2014, 128 Seiten

ISBN 978-3-927369-87-0

10 Euro (D)

In Deutschland werden jährlich 40 000 Tonnen Pestizide ausgebracht. Die schönfärberische Bezeichnung »Pflanzenschutzmittel« verschleiert, worum es sich tatsächlich handelt: Ackergifte. Aktuelle Untersuchungen belegen, dass diese – entgegen den Behauptungen der Industrie – von Menschen, Tieren und grundwasserführenden Schichten aufgenommen werden. Das geht uns alle an, denn die hochtoxischen Wirkstoffe lassen sich nicht nur im ländlichen Raum, sondern auch in Stadtparks, Supermarktprodukten und in den Stoffkreisläufen von Großstadtbewohnern nachweisen. Ute Scheub enthüllt, welche Lobbys den Einsatz von Gift auf unseren Äckern propagieren, entlarvt die Lügen, die sie uns auftischen, und zeigt Lösungen auf, die zu einer gesunden, vielfältigen und enkeltauglichen Landwirtschaft führen.

www.ackergifte-nein-danke.de

thinkOya Akt

›Akt‹ (von lat. agere, handeln) steht für Aktion, Ereignis, Handlung. Als philosophischer Begriff bezeichnet ›Akt‹ eine realisierte Wirklichkeit im Gegensatz zur ›Potenz‹, einer (noch) nicht manifesten Möglichkeit. In der Reihe »thinkOya Akt« erscheinen Aufklärungs-, Streit- und Flugschriften, die zu konkreten Handlungen anstiften. Jeder Band ist eine Ideenwerkstatt zu den drängenden Herausforderungen unserer Zeit. Im Weiterdenken und Aktivwerden der Leserinnen und Leser können diese Ideensamen zu konkreten Utopien heranreifen. Wie Akte eines Bühnenstücks sind die einzelnen Bände Teile eines sich fortschreibenden Werks, dessen Ganzes mehr als die Summe seiner Teile ist. Die Titel sind in handfester Broschur gefertigt, tragen eine nicht-chronologische Nummerierung und verbinden individuelle Gestaltung mit hohem Wiedererkennungswert.

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